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Ein Rundgang durch die Kirche

Pronstorfer Kirche

Durch den seitlichen Haupteingang im Süden betreten Sie das Kirchenschiff. Nehmen Sie einen Moment auf den Kirchenbänken Platz und lassen Sie die besondere Atmosphäre dieses Ortes auf sich wirken!

 

Mit dem Taufbecken finden Sie im Altarraum das älteste Ausstattungsstück der Kirche. Der Kalksandstein, aus dem es im 13./14 Jh. gefertigt wurde, stammt aus Gotland. In solchen alten großen Taufbecken konnte ein Kind vollkommen untergetaucht werden. Der Beginn des neuen Lebens als Christ wurde so sehr eindrücklich erfahrbar. Ab dem 17. Jahrhundert wurde es dann üblich, Taufschalen zu verwenden und nur den Kopf des Täuflings mit Wasser zu benetzen. Pastor Hartung schenkte 1760 seiner Gemeinde einen schwebenden Taufengel, der die Taufschale hält. Seit 1993 wird der wunderschöne Engel wieder für Taufen genutzt.

 

Der Altar, die Kanzel und die Patronatslogen stammen aus der Zeit um 1760 und stellen eine künstlerische Einheit dar.

 

Der Altar der Vicelin-Kirche von 1767 erinnert durch seinen spätbarocken Altaraufsatz mit den schräg gestellten Säulenpaaren an die Ausstattung barocker Kirchen. Im „Rahmen“ ist der gekreuzigte Christus dargestellt mit dem Hinweis am Kreuz: INRI (Iat. Abkürzung für: Jesus von Nazareth, König der Juden). Gedeutet wird die Darstellung durch die Glaubensaussage IHS (griech. Abkürzung für: Jesus, Sohn Gottes, Retter): Durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi sind wir Gott (obere Kartusche mit hebr. Schriftzeichen „JHWH“ für den Namen des Schöpfers) im Leben und über den Tod hinaus unverbrüchlich verbunden.

 

Die Kanzel ist wegen der zunehmenden Bedeutung der Predigt eine „Erfindung“ der Reformation. Die Predigenden sollen die Bibel verständlich auslegen und die Bedeutung des christlichen Glaubens in der Welt vermitteln. Die Rokkokokanzel der Vicelin-Kirche wurde 1761 gestiftet von Henning von Buchwaldt, der zu dieser Zeit Kirchenpatron war. Sie gleicht einem blütenähnlichen Kelch und ist verziert mit Putten (Engeln) und den Wappen des Stifterehepaares.

Der Deckel über der Kanzel ist ein Schalldeckel, der es ermöglicht, auch ohne Mikrofon verständlich zu sprechen. Auf dem Schalldeckel türmt sich hier ein ornamentales Arrangement. Zudem sind die Gesetzestafeln (10 Gebote) und das Dreieck als Gottessymbol im Wolken- und Strahlenkranz zu erkennen. Die Taube, die sozusagen über dem Predigenden schwebt ist ein Symbol für den Heiligen Geist.

 

Die Patronatsloge an der Nordwand des Chores ist auch heute noch Patronatsstuhl. Das Patronat liegt beim Eigentümer des Gutes Pronstorf (Graf zu Rantzau). Adlige Pflichten müssen gegenüber dem Kirchspiel nicht mehr wahrgenommen werden, allerdings wirkt ein Patron bei der Pfarrstellenbesetzung mit und ist ideell „seinem“ Kirchspiel verbunden.

 

Wenn Sie sich nun zum Kirchschiff wenden, sehen Sie den Prospekt der neuen Marcussen-Orgel. Sie wurde Pfingsten 1999 eingeweiht. Ihr besonderer Klang (für die Kenner: 15 Register auf drei Werken) erfüllt die Vicelin-Kirche im Gottesdienst und zu den zahlreichen Konzerten, für die Pronstorf weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins bekannt ist.

 

Wenn Sie gen Himmel schauen, erblicken Sie die Bilderbibel, mit der die Holzbalkendecke der Vicelin-Kirche durchgehend bemalt ist. 28 Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament entstanden zum Reformationsfest 1680, der Künstler ist leider unbekannt. Erst 1957 sind die Bilder unter einer eingezogenen Gipsdecke wieder entdeckt und dann freigelegt worden. Im 19. Jahrhundert konnte man sich für eine „erzählende Decke“ anscheinend nicht begeistern.

So schrieb Leopold Cirsovius, Lehrer und Organist in Pronstorf, in seiner 1880 erschienen Chronik: „Das Innere der Kirche macht einen feierlichen Eindruck... das Schiff der Kirche (hat) eine schöne in den Ecken abgerundete Gipsdecke, statt der früheren Balkendecke mit den unschönen Bildern.“

 

Die Gruft aus dem 17. Jahrhundert unter dem östlichen Kirchenschiff ist nur über eine verfallene Wendeltreppe zugänglich, daher kann sie leider nicht besichtigt werden. Mit vier flach gebogenen Kreuzrippen stützt sich das Gewölbe auf einer Mittelsäule ab. In der Gruft liegen 24 Särge, darunter Sarkophage und reich verzierte Metallsärge aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Turmraum hinter der Orgelempore wurde 1987 restauriert. Statt des schon lange nicht mehr genutzten Blasebalgs für die Orgel ist hier eine Gedenkstätte für die Opfer der Kriege eingerichtet worden.

 

Der Turm hat seit 1807 nur noch eine Uhrglocke, da man Risse im Mauerwerk entdeckte. Abseits steht ein Glockenträger (Campanile), in dem die einzige nach 1945 heimgekehrte der ursprünglich drei Glocken geläutet wird. Die bronzene Glocke wurde 1749 gegossen, hat einen Durchmesser von 1,02 Metern und wiegt 685 Kilo.

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